„Blau“ aus dem Radio – eine Reaktion auf TOLLABEA

170911 blau 1.jpgJetzt passiert es doch und dieser Blog bekommt einen deutlichen Mama-Touch. Macht nichts. Bin ich halt. Steh ich zu.
Heute möchte ich reagieren auf den Blogbeitrag von Yvonne.
Habt ihr gelesen? Gut! Dann wisst ihr ja jetzt worum es geht.
Habt ihr nicht gelesen? Dann hier die kurze Zusammenfassung:
Sie ist sauer. Über „Blau“ von Amanda. Weil Yvonne scheinbar von jungen Menschen umgeben ist, die „kein Zug zum Tor“ haben. Weil sie scheinbar besorgt darüber ist, dass junge Menschen, durch dieses Lied, sich gegen Arbeit entscheiden könnten und faul bleiben (?).

Und nun komm ich. Ich will in die Bresche springen für junge Menschen (was schon etwas lustig ist, wo sich doch Yvonne zu den „ewigen Kindern“ zählt.) und für Künstler.

Erstmal die jungen Menschen

Yvonne, du hast Angst vor was? Davor, dass unsere Kinder nach dem Abi erstmal reisen oder sich mal ein Jahr langweilen? Davor das sie Praktika beginnen und abbrechen? Sich ausprobieren? Und einfach mal über die Strenge schlagen?
Und das, obwohl sie evtl. unnützen Schulstoff innerhalb von 12 Jahren in ihr Gehirn geprügelt haben?
Oder hast du Angst, dass unser System sie hat so dumm werden lassen, dass sie nur die polarisierende, „einfache“ Botschaft aus dem Song entnommen haben, weil sie nicht die Zeit hatten zu lernen wie man zwischen den Zeilen liest und Kunst interpretieren kann, so wie du das getan hast?
Irgendwann kommen wir alle an den Punkt, an dem wir Familie wollen und bereit sind dafür etwas von uns zu opfern. Aber eben nicht unbedingt mit 16 und das ist total okay.

Jetzt die Künstler

Wer von euch kann sich noch an den Deutschunterricht erinnern? Ich denke so neunte Klasse. Musstet ihr auch Gedichte analysieren? Musstet ihr auch Gedichte schreiben? Erinnert ihr euch noch daran, wie lange das gedauert hat?

Liebe Yvonne, glaubst du ernsthaft Amanda singt da von ihrem Leben?
Nur mal anhand der Fakten aus Wikipedia: Ihre Mutter – Sängerin. Amanda selbst schreibt im Grundschulalter so erfolgreich Geschichten und Gedichte, dass die später verton werden.
Erst lernt sie Altsax und mit zwölf bringt sie sich Gitarre einfach mal selbst bei.
2004 Taucht der erste Eintrag in ihrer Diskographie auf. Und jetzt, dreizehn Jahre (13 Jahre!!!) später, hat sie ihre erste Platzierung in den Charts.

Ja, ich stimme dir zu. Die muss unfassbar faul sein, wollte genau das zum Ausdruck bringen und andere anstiften sich einen lauen Lenz zu machen.

Nun der Text

Ich glaub‘, ich bin sprunghaft
Ich mach‘ gern Neues und das jeden Tag

Wer ist das nicht? Wem ist der Alltag nicht auch oft zu grau? Wer kann von sich behaupten immer das selbe zu machen? Und wer will das von sich behaupten?

Ich leb‘ von Luft und Liebe
Ich komm‘ oft ohne viel Kohle klar

Das hier könnte ein kritischer Verweis auf die Schere zwischen Arm und Reich sein.

Und Mister Chef sagt „So läuft’s nicht!
Streng dich an, denn Arbeit muss sein!“
Doch ich bin gegen Regeln allergisch
Will mich entfalten und einfach ich bleiben

Meinen Glückwunsch, zu einer Mitarbeiterin, die querdenkt und sich selbst im Betrieb einbringt.
Auch hier, ein Verweis auf die veralteten und starren Arbeitsmodelle?

Montag bis Freitag immer das Gleiche
Immer nur ackern nein, Mann, es reicht jetzt!
Ich will nicht warten auf’n Feierabend
Will lieber los und gleich was starten

Will sie kreativ und produktiv in ihrer Arbeit sein und somit einen Mehrwert für die Arbeitswelt darstellen?
Ist auch das wieder Kritik an unseren Arbeitsmodellen? Google und Co zeigen ja wie es gehen könnte.

Komm, sei doch ehrlich!
Du bist wie ich, du hast auch keinen Bock
Also lass gehen!
Mach Stopp!

Kennst du das auch? Du bist schon total Dröge im Kopf? Da ist es manchmal besser Sachen einfach auf später zu verschieben und den Kopf frei zu bekommen. Danach gehts besser.

Hey! Guck, der Himmel ist blau
Komm, das machen wir auch
Mann, dein Laptop ist grau
Klapp ihn zu! Mach ihn aus!
Guck, der Himmel ist blau
Komm, das machen wir auch
Ich glaub‘, man muss sich nur trauen
Tür auf und raus und

Meine persönliche Lieblingsstelle! „Mann, dein Laptop ist grau, klapp ihn zu!“ I like!
Es stimmt. Wir sitzen verblödend vor unseren Bildschirmen und werden irgendwann genau so grau wie sie (oder die Grauen Herren aus Momo). Also, raus ins Leben und was erleben.

Grundsätzlich kann man diesen ganzen Text äußerst Gesellschaftskritisch interpretieren. Kann man. Muss man nicht.
Jeder darf den grauen Einheitsbrei aus der Mensa essen und sich über die bunten Farben vor der Tür aufregen.
Aber wisst ihr wer das nicht macht? Kinder! Denkt mal drüber nach.

Denise

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